Handels

2 Boxer im Handelsring!

von Prof. Dr. Carsten Kortum
30.06.2026

Wenn zwei Handelsriesen um einen Regionalhändler kämpfen, geht es um weit mehr als nur Filialen auf dem Papier.

🏪 Der aktuelle Bieterwettstreit zwischen REWE Group und EDEKA ZENTRALE Stiftung & Co. KG um Feneberg ist eines der spannendsten Handelsdramen des Jahres 2026 neben der Übernahmen von tegut… gute Lebensmittel GmbH & Co. KG-Märkten. Auch hier konkurrieren beide Handelsgruppen.

Feneberg Lebensmittel GmbH betreibt rund 70 Märkte im Allgäu und erwirtschaftete zuletzt mehr als 500 Mio. Euro Umsatz. Nach dem Schutzschirmverfahren ringen nun beide Handelsgruppen um die Zukunft des traditionsreichen Regionalhändlers.

Warum ist denn Feneberg so begehrt trotz schlechter wirtschaftlicher Lage?
✅ Marktanteile im Allgäu
Das Allgäu zählt zu den wenigen Regionen Deutschlands, in denen starke Regionalhändler den nationalen Ketten noch ernsthaft Paroli bieten (vgl. Georg Jos. Kaes GmbH: V-Markt & V-Baumarkt ). Wer Feneberg-Standorte übernimmt, gewinnt sofort relevante Marktanteile.
✅ Standorte statt Neubauten
Neue Märkte zu bauen dauert Jahre oder werden schlicht gar nicht mehr genehmigt. Feneberg verfügt über etablierte Standorte, Kundenfrequenz und eingearbeitete Mitarbeiter:innen. Im Handel gilt oft: Der schnellste Weg zum Wachstum führt über Übernahmen.
✅ Die Marke „Von Hier“
Das Regionalprogramm gehört zu den bekanntesten Regionalmarken im deutschen Lebensmittelhandel. Es zeigt, dass Regionalität nicht nur Marketing ist, sondern ein echtes Differenzierungsmerkmal sein kann. Die Regionalmarke ist einfach gut gemacht.

Interessant ist dabei die spieltheoretische Perspektive:
🐔 Das Ganze erinnert an ein Chicken Game. Beide Seiten wollen gewinnen, aber niemand möchte zu viel bezahlen. Gleichzeitig kann es sich keiner leisten, den Konkurrenten allein zum Zug kommen zu lassen. Die Folge: steigende Gebote und taktisches Pokern. Laut aktuellen Berichten überbieten sich REWE und EDEKA weiterhin gegenseitig. Die Sache wird teurer als geplant. Und bei der REWE Group sind bei über 100 Mrd. EUR Umsatz in der Gruppe ein Zuwachs von 500 Mio. EUR auch sehr überschaubar. Die EDEKA Südbayern Handels Stiftung & Co. KG hat bisher Feneberg beliefert und würde Umsatz und Kunden verlieren.

Mein Fazit:
Feneberg Lebensmittel GmbH zeigt exemplarisch, wie wertvoll regionale Handelsmarken und die Verwurzelung in der Region geworden sind. Während viele Diskussionen im Handel derzeit um KI, Retail Media oder Quick Commerce kreisen, wird hier um etwas ganz Klassisches gekämpft:
👉 Kundenvertrauen.
👉 Gute, verkehrsgünstige Standorte.
👉 Regionale Verankerung.

Manchmal ist der wertvollste Vermögenswert im Handel eben nicht die Technologie, sondern die Nähe zum Kunden. Es ist wert mehr in diese Richtung zu denken, denn die KI wird nie etwas einkaufen, oder doch? Da war doch was mit Agentic Commerce.

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