Ahoi Heilbronn!
Die stets gut informierte Lebensmittel Zeitung berichtet kürzlich vom neuen Heimathafen von TAILWIND: Heilbronn am Neckar (hat tatsächlich einen Hafen).
Warum betreibt Lidl International eigentlich eine eigene Containerreederei? 🚢
Als Lidl International 2022 begann, eigene Containerkapazitäten aufzubauen und später mit der Reederei TAILWIND Shipping Lines sogar eigene Schiffe einzusetzen, wurde dies von vielen als kurzfristige Reaktion auf die Lieferkettenkrise verstanden. Viele schüttelten den Kopf bei diesen Investitionen, Schifffahrt ist sehr kapitalintensiv.
Heute zeigt sich: Dahinter steckt deutlich mehr.
Während viele klassische Händler ihre Ware global einkaufen, kontrolliert Lidl International zunehmend auch den Transportweg. Das ist ein bemerkenswerter Schritt in Richtung vertikaler Integration. Die Idee dahinter ist einfach:
➡️ Höhere Versorgungssicherheit
➡️ Mehr Kontrolle über Laufzeiten
➡️ Weniger Abhängigkeit von wenigen globalen Reedereien und deren Oligopol
➡️ Bessere Planbarkeit von Aktions- und Saisonware
Gerade für einen Händler, dessen Geschäftsmodell auf hoher Warenverfügbarkeit und niedrigen Kosten basiert, können Lieferengpässe schnell teurer werden als höhere Transportkosten. Da wurden schon ganze Geschäftsjahre im Ergebnis verhagelt.
Interessant ist dabei die strategische Perspektive: Lidl folgt damit einem Muster, das man aus dem Handel gut kennt. Unternehmen integrieren vorgelagerte Wertschöpfungsstufen, wenn externe Märkte als zu unsicher, zu teuer oder zu volatil wahrgenommen werden.
Die spannende Frage lautet jedoch:
Bleibt eine eigene Reederei langfristig ein Wettbewerbsvorteil oder wird sie in normalen Marktphasen zum Kostenblock?
Denn Schiffe müssen ausgelastet werden (würde man auch Container von ALDI SÜD mitnehmen?). Gleichzeitig sind Frachtraten sehr zyklisch. Skalierung ist der Wettbewerbsfaktor. Was in Krisenzeiten ein strategischer Vorteil ist, kann in Überkapazitätsphasen schnell und einschneidend zur Belastung werden. An der Küste kennt man das? Auch in den Weinbergen in Heilbronn?
Aus Handelssicht spricht dennoch vieles für das Modell. Nicht weil Lidl International plötzlich Reeder werden möchte, sondern weil Versorgungssicherheit, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit im Handel zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor werden.
Der Handel der Zukunft verkauft nicht nur Produkte, er kontrolliert immer stärker die gesamte Lieferkette.
Ist die eigene Reederei ein genialer strategischer Schachzug oder ein teures Relikt der Lieferkettenkrise?
Ich werde jedenfalls im Heimathafen auf größere Pötte warten, so wie an der Elbe.
Handels
Ahoi Heilbronn!
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