Handels

AllyouneedFresh – Rückwärtsgang oder Anlauf?

von Tina Herrmann, Nico Schweiger, Aaron Nerke und Anna-Lena Hübner
09.03.2020

Hat DHL den Rückwärtsgang eingelegt oder holt das Bonner Unternehmen lediglich Anlauf?

Was gibt es schöneres…

als die vollen Wasserkisten die Treppe nach oben zu schleppen? Sich minutenlang an einer völlig überfüllten Supermarktkasse anzustellen? Nach Feierabend in den Laden zu hetzen und am Ende doch die Hälfte zu vergessen?

Nichts?

Wie wäre es mit der bequemen Abwicklung seines Einkaufs auf der Couch, währenddessen man nebenbei seine Lieblingsserie auf Netflix genießt?

Genau diese negativen Aspekte des stationären Handels nehmen sich Online-Lebensmittelhändler wie AllyouneedFresh oder Mytime zu Nutze und versuchen hiermit Schritt für Schritt den deutschen Markt zu erobern.

…und dennoch gibt DHL auf.

Jedoch nicht ganz. Es werden lediglich beim Online-Marktplatz Allyouneed und bei dem Ableger, der sich auf die Belieferung in Bonn begrenzt hat, AllyouneedCity, die Lichter zur zweiten Jahreshälfte des Jahres 2018 ausgeschalten. Am Konzept des Online-Supermarkts AllyouneedFresh hält DHL weiter fest. Hinter dem Bonner Unternehmen, das im Jahr 2016 einen Umsatz von 19,7 Mio. € verzeichnen konnte, steht eine Zusammenarbeit zwischen einem jungen Berliner e-Commerce Unternehmen und DHL. Durch das Zusammenspiel von finanzieller Unterstützung seitens DHL und dem E-Commerce-Wissen der All you need GmbH konnte sich der Online-Supermarkt seit seiner Gründung im Jahr 2011 erfolgreich auf dem deutschen Markt etablieren.

Im Rahmen unserer Vorlesung Cross Channel haben wir AllyouneedFresh verglichen mit anderen Anbietern im Markt in den Kategorien Preis, Sortiment Kommunikation und Logistik.

Nur Bares ist Wahres. (Preis)

Preislich schneidet der Online-Lebensmittel-Anbieter im Vergleich zu seiner Konkurrenz leider sehr schlecht ab. Die Gesamtsumme des Warenkorbes ist mit 35,92 € die Höchste und somit landet AllyouneedFresh auf dem letzten Platz mit einem Abstand von 10 € zum Erstplatzierten Rewe online.

(Fun Fact: Mit dem Gericht Spaghetti a la Stangensellerie würde man jedoch den geringsten Einkaufspreis erzielen können.)

Zusammengefasst ist AllyouneedFresh definitiv einem höheren Preissegment zuzuordnen und somit wenig attraktiv für Sparfüchse, Studenten oder Schwaben.

Facebook, Instagram und Hannah. (Kommunikation)

AllyouneedFresh lässt sich schnell über Suchmaschinen wie Google oder Bing unter dem Begriff „Online Lebensmittel“ finden. Allyouneed präsentiert sich in nahezu allen relevanten sozialen Medien, wie beispielsweise Twitter, Pinterest, Instagram und Facebook.

Dort wird vorwiegend über Sortimentsänderungen informiert. Follower können sich hier aber auch durch nicht alltägliche Rezeptideen inspirieren lassen. Und wenn der Kunde schon einmal inspiriert ist, wird ihm gleich der Kauf der notwendigen Zutaten maximal erleichtert, indem er diese über einen Link direkt in seinen Einkaufswagen legen kann.

Ein weiteres Highlight: Man kann die Anzahl der Portionen auswählen! Daraufhin aktualisiert sich die Menge auf der Zutatenliste, so kauft man nur die Menge, die man auch tatsächlich braucht.

Doch die traditionelle Suche über eine Suchfunktion ist ebenso möglich. Informationen wie Preisreduzierungen, MHD oder Eigenschaften/Zertifizierungen wie Bio, vegan oder laktosefrei, sind deutlich gekennzeichnet und somit auf den ersten Blick ersichtlich. Man könnte aber auch ganz bequem nach gewünschten Eigenschaften filtern, und somit nur die für einen relevanten Produkte sich anzeigen.

Bei der Kommunikation bietet der Bonner Online-Supermarkt seinen Kunden einen Chat zu festgelegten Geschäftszeiten an. Hier antworten verschiedene Mitarbeiter, unter anderem auch Hannah, und stehen für alle Fragen zur Verfügung. Es wird dem Wartenden ebenfalls die aktuelle Warteposition angezeigt, was die zu wartende Zeit, zumindest gefühlt, verkürzt.

20.000 Artikel – Doch Eigenmarken sucht man vergebens. (Sortiment)

Mit über 20.000 Artikeln hat AllyouneedFresh das drittgrößte Sortiment im Vergleich zu den herangezogenen Wettbewerbern. Das Sortiment zeichnet sich vor allem durch eine große Sortimentsbreite aus. Obwohl die Sortimentsauswahl eher flach ist, gibt es dennoch zu den meisten Artikeln eine Alternative in Bio-Qualität. Neben Food-Artikeln werden auch eine große Auswahl an Near-Food-Artikeln angeboten. Mit einem beispielsweisen Angebot von rund 130 Papierservietten ist die Auswahl von Haushaltszubehör- und Elektronikartikeln im Vergleich zu Amazon Fresh und Rewe online eher klein. Gekühlte und tiefgekühlte Artikel werden ebenfalls zur Lieferung angeboten. Diese ist allerdings nur in ausgewählten Regionen möglich.

Und täglich grüßt der DHL-Bote. (Logistik)

Die Lieferung erfolgt bequem nach Hause oder auch an die nächste DHL Packstation. Der Mindestbestellwert beträgt 40€. Ab einem Einkaufswert von 85€ liefert AllyouneedFresh versandkostenfrei per DHL. Die Standard-Lieferung erfolgt bundesweit. In Kurierregionen sogar am Wunschtag mit persönlich festgelegtem Wunschzeitfenster. Sowohl der angefallene Verpackungsmüll als auch das Flaschenpfand können bei der nächsten Lieferung problemlos zurückgegeben werden.

Fazit

Letztendlich kann man sagen, dass AllyouneedFresh weder der beste, noch der schlechteste Online-Lebensmittelhändler ist. Befindet man sich in der glücklichen Lage, nicht in einem Ballungszentrum wie München oder Berlin leben zu müssen ist die deutschlandweite Lieferung ein echter Pluspunkt.

Mit Maßnahmen, wie beispielsweise den Ausbau weiterer Kurierregionen, zeigt der Online-Lieferdienst aus Bonn, dass er keinesfalls den Rückwärtsgang eingelegt hat…

…AllyouneedFresh holt Anlauf!

 

Quellen:

https://www.allyouneedfresh.de

https://www.onlinehaendler-news.de/handel/allgemein/32128-allyouneed-schliesst-noch-in-diesem-jahr.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/411695/umfrage/e-commerce-umsatz-der-fuehrenden-deutschen-online-shops-im-segment-lebensmittel/

https://www.gruenderszene.de/datenbank/unternehmen/allyouneedfresh

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