Die Versorgung mit Lebensmitteln sowie deren Preise sind gesellschaftlich und politisch hoch sensible Themen, berühren sie doch ein fundamentales Bedürfnis der Menschen. Brotknappheit und die daraus resultierenden Preissteigerungen gelten beispielsweise als Auslöser der Französischen Revolution. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine 2022 sind die Lebensmittelpreise hierzulande kräftig angestiegen. Laut Statistischem Bundesamt lag die Inflationsrate bei Nahrungsmitteln 2022 und 2023 jeweils bei über 12 Prozent und war damit einer der Haupttreiber der allgemeinen Teuerungsrate. Aufgeschreckt wurde die Politik zudem durch die Bauernproteste zum Jahreswechsel 2023/24, in deren Kern der Unmut der Landwirte mit ihrer Einkommenssituation stand.
Hohe Lebensmittelpreise auf der einen Seite, niedrige Einkommen der Landwirte auf der anderen Seite – angesichts dieser Unzufriedenheit von Erzeugern und Verbrauchern bat die Bundesregierung die Monopolkommission um ein Sondergutachten. Es sollte die Wertschöpfungskette für Lebensmittel wettbewerbspolitisch analysiert werden. Der Verdacht stand im Raum, dass die Lebensmittelhersteller und die Lebensmitteleinzelhändler ihre Marktmacht nutzten und ihre Gewinnmargen zu Lasten der Landwirtschaft und der Verbraucher ausweiteten. Es war die Rede von der Greedflation („Gierflation“). Selbst der Vorwurf kartellwidriger Absprachen wurde geäußert.
Das Bundeskartellamt hat in seinem Tätigkeitsbericht 2023/24 (S. 61 ff) jedoch unmissverständlich erklärt, dass „bis dato keine Anhaltspunkte (für kartellwidrige Absprachen) vorliegen“. Dem Hinweis auf potenziell wettbewerbsschädliche Wirkungen der hohen Konzentration im deutschen Lebensmitteleinzelhandel (LEH) begegnet das Bundeskartellamt mit dem im internationalen Vergleich eher niedrigen Preisniveau: „Im Ergebnis fehlt damit die Grundlage eines wettbewerbslosen Oligopols.“ Die Preisgleichheit im LEH sei stattdessen eher auf die hohe Preissensibilität der Verbraucher zurückzuführen.
Die Monopolkommission hat im November 2025 schließlich ihr Gutachten zum „Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette“ vorgelegt. Ihr Hauptaugenmerkt hat sie auf Milch, Fleisch und Getreide gelegt. Die wichtigsten Aussagen sind:
- Die Preise für landwirtschaftliche Produkte – und damit auch die Erlöse der heimischen Bauern – werden einerseits vor allem durch Entwicklungen am Weltmarkt beeinflusst. Andererseits werden ihre Kosten (Löhne, Bürokratie, usw.) jedoch hauptsächlich national bestimmt. Im Ergebnis profitierte die Agrarwirtschaft nicht oder nur wenig von den Preissteigerungen auf der Endverbraucherstufe.
- Um die Wettbewerbsposition der Landwirtschaft zu stärken, sollten die politischen Rahmenbedingungen deshalb so verändert werden, dass eine Entwicklung hin zu größeren Betriebsstrukturen (Skaleneffekte!) begünstigt wird und innovative Bewirtschaftungsmethoden verstärkt zur Anwendung kommen.
- Dem fragmentierten Markt in der Landwirtschaft steht eine zunehme Konzentration in den nachgelagerten Stufen der Lieferketten gegenüber. Auf Herstellerebene sei auf den Zuckermarkt verwiesen, der in Deutschland aus nur vier Unternehmen besteht (Cosun, Nordzucker, Pfeifer & Langen, Südzucker). Im LEH vereinen die großen Vier (Edeka, Schwarz, Rewe, Aldi) 83 Prozent der Umsätze auf sich. In der Folge sind laut Monopolkommission die Preisaufschläge der Hersteller und des LEH in den letzten Jahren gestiegen.
- Dem sollte mit einer entschiedenen Politik zur Wettbewerbssicherung in der Lebensmittelindustrie und dem -handel begegnet werden. Dazu zählen aus Sicht der Kommissionsmitglieder eine strengere Handhabung der Fusionskontrolle, eine genauere Beobachtung der „Vertikalisierung des LEH“ und eine effektivere Missbrauchsaufsicht zur Begrenzung von Nachfragermacht. Speziell die Aktivitäten des Handels auf Herstellerebene bergen „das Risiko einer Machtverschiebung zulasten vorgelagerter Stufen.“
- Eingriffe in die freie Preisbildung wie Mindestpreise werden von der Monopolkommission dagegen strikt abgelehnt. Als Gründe werden die Anfälligkeit für Lobbyinteressen und die hohen Bürokratiekosten sowie Fehlallokationen im Agrarsektor genannt.
Damit hebt sich der Tenor der Monopolkommission wohltuend von dem gegenwärtigen Stimmengewirr in der Politik ab, wo laufend neue staatliche Regulierungen und Markteingriffe (Mindestlohn, Mietpreisbremse usw.) propagiert werden. Auf die Marktkräfte setzen und gleichzeitig den Wettbewerb stärken respektive schützen, ist das Grundkonzept der Sozialen Marktwirtschaft. Ein durchaus bewährtes Konzept…
Quelle Schaubild: Monopolkommission (2025), S. 164