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Handels

Besuch der Spielwarenmesse in Nürnberg am 31.01.2024, Insights vom Kurs HD22B13

von Studierende des Kurses HD22B13
05.02.2024

Die Spielwarenmesse in Nürnberg 2024 stand an und versprach ein faszinierendes Schaufenster für die Welt des Spielzeugs zu sein. Es kamen Tausende von Ausstellern aus verschiedenen Ländern, um ihre neuesten Produkte zu präsentieren. Diese international renommierte Plattform bietet einen umfassenden Überblick über die vielfältige Spielzeuglandschaft, von traditionellen Favoriten bis hin zu modernen Innovationen. Es war ebenfalls ein inspirierender Einblick in die aktuellen Trends und Dynamiken der Spielzeugbranche.

Eine breite Palette von Produktkategorien wurde abgedeckt, darunter Puppen und Plüschtiere, Spiele, Actionfiguren, Konstruktionssets und Lernspielzeug. Besucher können sich auf eine inspirierende Reise durch die neuesten Trends der Branche freuen, von technologischen Neuheiten bis hin zu nachhaltigen Spielzeugen.

Die Messe fungiert nicht nur als Informationsplattform, sondern auch als Treffpunkt für Networking und die Entwicklung neuer Geschäftskontakte. Branchenexperten, Hersteller, Händler und Fachbesucher werden die Gelegenheit haben, sich zu vernetzen und gemeinsam die Zukunft der Spielzeugbranche zu gestalten.

Diese Einführung in die Messearbeit eines Spielwarenhändlers bekamen die Dual Studierenden am 31.01.2024 durch einen Austausch mit Michael Edl, Managing Director Einkauf und Marketing von ROFU Kinderland. Er nahm sich, trotz vollem Terminkalender Zeit, um mit den Dualen Studenten in den Austausch zu gehen.

Mit dieser ausführlichen Einführung starteten nun alle Studenten mit der Erkundung des Messegeländes.

In Absprache mit dem Studiengangsleiter und Leiter dieser Exkursion Professor Dr. Carsten Kortum, wurden den Studenten mehrere Fragestellungen an die Hand gegeben. Diese Fragestellungen sollten sie nutzen, um konkrete Gespräche mit verschiedensten Ausstellern über die aktuellen Themen des Handels zu führen.

  1. Wie relevant sind Messen heute?

Die internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg hat die Bedeutung von Messen für Unternehmen eindrucksvoll unterstrichen. Sowohl für Endkonsumenten als auch Fachbesucher stellen Messen eine unverzichtbare Plattform dar, um Produkte vorzustellen, Innovationen zu bewerben, Kunden zu treffen und zu networken. Die Spielwarenmesse in Nürnberg wird als die wichtigste Messe für die Teilnehmer aus Europa betrachtet. Obwohl die Quantität der Kunden nachzulassen scheint, steigt die Qualität der Kontakte, was darauf hindeutet, dass Messen nach wie vor entscheidend für den Austausch mit bestehenden Kunden und die Gewinnung neuer Kunden sind. Insbesondere nach der COVID-19-Pandemie gewinnt die Messe als Instrument für Networking, Kundenakquise und Mitbewerberanalyse an enormer Relevanz. Branchenexperten von Rofu und Frau Choi von add corporation betonen die Bedeutung von Messen für das Networking und als Plattform zur Präsentation von Produktneuheiten, obwohl letztere in einigen Fällen begrenzt sein können. Insgesamt wird deutlich, dass Messen weiterhin eine Schlüsselrolle für Unternehmen spielen, um sich in der dynamischen Welt der Spielzeugbranche zu positionieren und erfolgreich zu agieren.

  1. Gibt es neue Geschäftskontakte oder Aufträge für die Aussteller?

Unternehmen knüpfen auf Messen neue B2B-Kundenkontakte anders als früher. Der Hauptgrund für Messebesuche ist das Networking, bei dem Aufträge oft durch informelle Treffen und Kaffeegespräche entstehen. Interessanterweise werden Aufträge und Geschäftskontakte vorwiegend von kleineren Unternehmen abgeschlossen, während große Unternehmen weniger darauf angewiesen zu sein scheinen. Frau Choi berichtet, dass sie zwar viele neue Kontakte auf der Messe geknüpft hat, aber bisher noch keine Aufträge erhalten hat.

  1. Verändert sich das Orderverhalten?

Früher konnten Unternehmen auf Messen direkt verkaufen und langfristige Aufträge sichern. „Heute sind Einkäufer vorsichtiger geworden, und der direkte Verkauf auf Messen ist seltener“, Zitat Marco Reimann von eBrands. Das Kaufverhalten hat sich negativ entwickelt, insbesondere bei Spielwaren während der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine. Der Trend geht vermehrt zum Onlinehandel und zur Digitalisierung. Aufträge entstehen oft erst nach der Messe, wobei im Vorfeld Samples und Visitenkarten für langfristige Kontakte übergeben werden. Die Lieferketten werden länger, Bestellungen müssen frühzeitig abgeschlossen werden, wie im Fall von Rofu. Frau Choi berichtet, dass ihr Geschäft seit Corona nicht gut läuft und sich bis heute nicht vollständig erholt hat.

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Abbildung 1: Die Studierenden führten spannende Gespräche mit diversen Händlern

 

  1. Sucht der Handel nach Alternativen zu China?

Indien und Osteuropa, insbesondere Polen, sind aufstrebende Märkte, besonders im Bereich E-Bikes, wohin einige Unternehmen ihre Produktion verlagern. Kleinere Händler bevorzugen, vereinzelt die lokale Produktion, während China, vor allem in Kunststoff- und Technikbranchen, eine unverzichtbare Rolle spielt (z. B. Ravensburg in Deutschland und Cobi in Polen). Trotzdem sind Alternativen für Technik und Kunststoffe begrenzt, und China bleibt ein bedeutender Handelspartner. Unternehmen wie Ravensburger zeigen, dass sie nicht vollständig vom fernen Osten abhängig sind, da auch in Deutschland produziert wird. Beobachtungen auf Messen deuten darauf hin, dass Hallen mit asiatischer Ware möglicherweise weniger frequentiert sind, was auf die Relevanz von Marken hindeuten könnte, obwohl dies nur eine momentane Beobachtung ist.

  1. Sucht der Handel nach Marken oder Eigenmarken?

Der Begriff “Marke” wird hier in Frage gestellt, insbesondere im Kontext junger Unternehmen, die möglicherweise noch nicht als echte Marken wahrgenommen werden. Die Suche nach Marken gestaltet sich schwierig, da der Handel nach der Corona-Pandemie zögerlicher ist und weniger Risiken eingeht. Viele versuchen, mit Eigenmarken zu experimentieren, wie es bei MediaMarkt und Lidl zu beobachten ist, wobei jedoch einige Produkte als weniger nützlich empfunden werden. Diese Eigenmarken stammen oft aus China, anstatt von spezialisierten Fachleuten entwickelt zu werden. Ein Vorteil besteht darin, dass das Herstellen von Klemmbausteinmodellen, die von großen Marken wie Lego nicht produziert würden, eine Marktlücke schließt. Hersteller legen vor allem Wert auf Qualitätsbewahrung, wobei Produkte mit hoher Marge weiterhin aus China stammen. Ein ausgewogenes Sortiment setzt sich sowohl aus A-Marken als auch aus Eigenmarken zusammen.

  1. Ist Nachhaltigkeit ein Trend, der sich durchsetzt?

Einkäufer legen derzeit besonders großen Wert auf den Preis und die Qualität von Produkten. Nachhaltige Produktion ist ein zusätzliches Plus, insbesondere im Bereich Beauty, wo die Entscheidungen der Einkäufer oft sofort getroffen werden. Beim Endkunden wiederum führt allein die Sichtbarkeit nachhaltiger Verpackungen zu einem höheren Kaufanreiz im Vergleich zu herkömmlichen Verpackungen.

In der Klemmbausteinproduktion ist Nachhaltigkeit ein Thema, wobei ökologisch abbaubare Klemmbausteine nach einigen Jahren ihre Passform verlieren können. In diesem Kontext projiziert sich Nachhaltigkeit auf Produkte, die auch nach 50 Jahren noch genauso genutzt werden können. Die eigene Produktion in den Niederlanden erfolgt zudem mit selbst hergestelltem Solarstrom.

Der allgemeine Trend zur Nachhaltigkeit spiegelt sich in Entwicklungen wie der Umverpackung von Ravensburg und dem Recycling von PET-Flaschen zu Spielzeugen wider. Einige Hersteller nutzen Nachhaltigkeit eher als Imagefaktor und setzen es nicht unbedingt in ihren Produkten um, da dies mit hohen Kosten und Aufwand verbunden ist. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Diebstahlquote steigt, wenn Plastik in Verpackungskartons weggelassen wird.

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Abbildung 2: Trend Nachhaltigkeit

 

  1. Welche Trends und Innovationen können beobachtet werden?

Es wird betont, dass es derzeit keine deutlichen Trends oder Innovationen in der Spielwarenbranche gibt, möglicherweise aufgrund von langjähriger Branchenerfahrung oder tatsächlicher Stagnation. Die Schlüsselfaktoren, die sich durchsetzen, sind Marke, Qualität und ansprechendes Marketing. Der Bedarf an Smart-Home-Spielzeug wird hervorgehoben, aber bisher hat sich dies trotz langer Präsenz nicht als dominierender Trend etabliert. Andere konstante Elemente in der Branche sind Nachhaltigkeit, der Kauf von Lizenzen, Digitalisierung (über 10 Jahre hinweg) und die Einbindung der älteren Generation (Kidult) in die Spielwarenindustrie. Es wird festgestellt, dass viele Lizenzen erworben und Kooperationen geschlossen werden, während größere Neuheiten fehlen und der Trend zur Digitalisierung sich negativ auf den Spielzeugmarkt auswirkt.

  1. Welche Stände haben besonders viel oder wenig Frequenz?

Die Stände, die besonders viel Frequenz verzeichneten, waren vor allem in der Modellbauhalle, wobei insbesondere Marken wie Ravensburger, Mattel und Lego hohe Besucherzahlen anzogen. Auch etablierte Marken wie Kosmos und Hasbro waren gut besucht. A-Marken generell verzeichneten eine hohe Frequenz, während kleinere chinesische Stände und unbekannte Unternehmen eher wenig Besucher anzogen. Produktgruppen mit hoher Frequenz waren vor allem Kleinkinderware, Technik und Gesellschaftsspiele. Im Allgemeinen wurde festgestellt, dass die Gesamtzahl der Fachbesucher im Vergleich zum Vorjahr um etwa 50 % gesunken ist. Einige größere Markenstände, wie die von Nici und Ravensburger, zogen mehr Besucher an als kleinere, unbekannte Unternehmen. Die Retailer aus dem fernen Osten verzeichneten eher geringe Frequenzen.

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Abbildung 3: Großer Andrang am Stand von Mattel

 

  1. Welche Stände sind besonders gelungen?

Es scheint, dass die diesjährige Messe bis jetzt nicht den gleichen motivierenden Eindruck hinterlassen hat wie im Vorjahr. Die Atmosphäre und Energie, die besonders durch Highlights wie den Gelblasterstand im letzten Jahr spürbar war, fehlen bisher. Es wird darauf hingewiesen, dass Stände in diesem Jahr nicht die gleiche aufregende Präsenz haben und die Messe insgesamt nicht so beeindruckend erscheint.

Einige Stände, die besonders auffallen und aufwendig gestaltet wurden, konnten diesen Mangel an Begeisterung möglicherweise mildern. Beispiele hierfür sind Stände von Unternehmen wie Unidice, Cobi, Chicco, Dartzone, Kosmos, Party Factory oder Ravensburger, die durch aufwendige Gestaltung und viele Details positiv hervorstachen. Andererseits wurden Stände von Nici und Little Dutch als weniger beeindruckend wahrgenommen.

  1. Warum sind manche Stände nicht frei zugänglich?

Einige wenige Stände, wie bei Lego und Playmobil, sind nicht frei zugänglich, da diese Unternehmen ihren Fokus auf das Händlergeschäft legen. Der Zugang zu ihren Ständen ist auf bestimmte Personen beschränkt, insbesondere Händler, die ihre neuen Produkte sehen können. Diese restriktive Zugangsregelung dient verschiedenen Zwecken, darunter die Verhinderung von Replikationen, die Stagnation der Marktanteile, das Verhindern des Abschauens der Konkurrenz und die Gewährleistung spezieller Handelsvorteile für ausgewählte Handelspartner.

Die Beschränkung des Zugangs zu bestimmten Ständen kann auf die Angst vor Industriespionage und die Sorge vor günstigeren Kopien zurückzuführen sein. Unternehmen möchten auf diese Weise ihre Innovationen schützen und den Zugang zu ihren neuesten Produkten kontrollieren. Der Eintritt zu nicht frei zugänglichen Ständen erfolgt in der Regel nur auf Einladung des Unternehmens, um die Kontrolle darüber zu behalten, wer den Stand betritt.

Fazit

Die Exkursion zur internationalen Spielwarenmesse 2024 bot den Studierenden der DHBW Heilbronn faszinierende Einblicke in die Spielzeugbranche. Trotz des Rückgangs in der Quantität der Besucher betonten Branchenexperten die gestiegene Qualität der Kontakte. Die Messe unterstrich die anhaltende Relevanz von Messen für den Austausch mit bestehenden Kunden und die Gewinnung neuer Kontakte. Veränderungen im Orderverhalten, die Suche nach Alternativen zu China und die Bedeutung von Nachhaltigkeit prägten die Diskussionen. Der Ausblick zeigt, dass Marken, Qualität und ansprechendes Marketing weiterhin entscheidend sind. Während echte Trends und Innovationen noch nicht klar erkennbar sind, bleibt die Spielwarenmesse eine Schlüsselplattform für die Positionierung und den Erfolg von Unternehmen in der dynamischen Spielzeugbranche.

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