Handels

Chinas Plattformstrategie: Angriff auf den europäischen Handel nimmt an Dynamik zu

von Prof. Dr. Carsten Kortum
24.03.2026

Während in Europa noch intensiv über Regulierung, Marktplatzregeln und Datenhoheit diskutiert wird, verfolgen chinesische Unternehmen längst eine klar erkennbare Strategie: Markteintritt über Plattformen plus langfristige Sicherung über Beteiligungen an Händlern oder Übernahmen von Marken.

Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress fungieren dabei wie ein digitaler Brückenkopf. Sie bringen enorme Sortimentsbreite, aggressive Preise und datengetriebene Logistik nach Europa. Ziel ist zunächst Reichweite und direkter Kundenzugang – Profitabilität folgt häufig erst später oder bleibt erst einmal völlig offen.

Jetzt kommt ein weiterer Player hinzu:
Mit Joybuy startet auch JD.com einen neuen Angriff auf den europäischen Markt. Anders als viele klassische Marktplätze setzt JD traditionell stark auf eigene Logistik, hohe Liefergeschwindigkeit und Qualitätskontrolle. Damit könnte Joybuy besonders im Elektronik- und Haushaltssegment schnell relevant werden.

Doch die Plattformstrategie ist nur die erste Stufe.

Der zweite Schritt besteht darin, strategische Beteiligungen an europäischen Marken und Handelsstrukturen aufzubauen.

Zwei Beispiele zeigen diese Entwicklung:

  • Ceconomy – hier ist JD.com bereits als bedeutender Aktionär beteiligt mit dem Ziel 1000 chinesische Marken nach Europa zu bringen.
  • Puma – hier ist der chinesische Sportartikelkonzern Anta Sports zum größten Einzelaktionär aufgestiegen.

Damit entsteht eine doppelte Markterschließung:

1️⃣ Direkter Zugang zum europäischen Konsumenten über Plattformen
2️⃣ Strategischer Zugang über Beteiligungen an etablierten Marken und Handelsunternehmen

Plattformen liefern parallel enorme Mengen an Kundendaten, Preiselastizitäten und Nachfrageinformationen. Kapitalbeteiligungen schaffen zusätzlich Einfluss auf Marken, Distribution und Marktstrukturen.

Für den europäischen Handel bedeutet das:
Der Wettbewerb findet zunehmend nicht mehr nur im Regal statt – sondern im Plattform- und Kapitalökosystem.

Die zentrale Frage lautet daher:
Kann Europa eigene Handels- und Datenökosysteme entwickeln – oder wird der Handel langfristig Teil globaler Plattformstrategien aus den USA und China? Wie kann der Handel in Europa, stationär oder online darauf angemessen reagieren?

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