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Handels

Die Besuchszeiten der Kunden im Lebensmitteleinzelhandel unterscheiden sich nach Betriebstyp nur gering

von Prof. Dr. Carsten Kortum
19.09.2022

Google misst die Besuchsdaten über aggregierte und anonymisierte Daten von Nutzern, die den Google-Standortverlauf aktiviert haben. Die Besuchsdaten werden erst nach einer gewissen Anzahl von Besuchern angezeigt. Im Ergebnis gibt es Stoßzeitendiagramme, Daten zu der Besuchsdauer der vergangenen Wochen und geschätzte Wartezeiten. Diese Daten können auch für die Handelsforschung von Interesse sein.

Am Beispiel der Einzelhandelslandschaft von Heilbronn/Landkreis Heilbronn können folgende Erkenntnisse festgehalten werden:

Titelbild 2
Quelle: https://www.google.de/maps/@49.1529487,9.2139644,15.75z

Erkenntnisse aus den Besuchsdauern

Besuchsdauer LEH/Drogerie in Minuten in der Regel:

Händler

Anzahl Stores

Besuchsdauer Durchschnitt in Minuten

Besuchsdauer

Bandbreite in Minuten

Kaufland

4

25

25-60

dm

3

20

20

Aldi Süd

6

19,2

15-20

Lidl

13

18,8

15-20

EDEKA

9

18,9

15-30

REWE

10

16,5

15-20

Penny

3

16,7

15-20

Norma

3

15

15

Denns/ Biomammut

3

15

10-20

Netto

9

14,4

10-15

REWE to go

1

10

10

  • SB-Großfläche Kaufland liegt gefolgt von dm vor den Discountern/Supermärkten
  • Hypermarkt Kaufland NSU erreicht bis zu 60 Minuten Besuchszeit
  • Aldi Süd/Lidl haben längere Besuchszeiten als Netto, Penny, Norma (spiegelt sich auch in den Filialumsätzen wieder)
  • Bandbreiten sind gering innerhalb der Betriebstypen trotz sehr unterschiedlicher Sortimentsgrößen und Verkaufsflächen
  • Kunden wenden für Ihren Einkauf von Lebensmitteln/FMCGs in der Regel nur 10-20 Minuten auf

Erkenntnisse aus den Stoßzeitendiagramme:

“In der Regel ist morgens früh und abends spät wenig los in den Supermärkten”, weiß Christian Böttcher, Pressesprecher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH). “Der späte Dienstagvormittag gegen 11 Uhr ist der Zeitpunkt, wo die geringsten Umsätze gemacht werden, auch der Mittwoch ist ein eher ruhiger Tag.”

Am Beispiel von einer Discountfiliale mit Werbung Montag/Donnerstag soll diese Aussage in der Praxis überprüft werden.

Beispiel Stoßzeitendiagramm Wochenverlauf Lidl Neckarsulmer Str. 24, 74076 Heilbronn:

 

 

 

Uebersicht Stosszeiten
Quelle: https://www.google.de/maps/place/Lidl/@49.1529487,9.2139644,15.75z/data=!4m5!3m4!1s0x47982f5c5fec6f2d:0x4a8f16fb761e82dc!8m2!3d49.151857!4d9.2230042, Abruf 17.9.2022
  • Von Montag bis Freitag ist der höchste Umsatz von 18-19, nur am Samstag 19-20 etwas später
  • Die Randstunden haben in allen Wochentagen die schwächsten Besucherzahlen
  • Donnerstag und Samstag gibt es jeweils eine Wellenbewegung mit einem niedrigeren Peak 11-12 am Donnerstag, 12-14 am Samstag sowie 17-19 und 19-20 am Samstag
  • An den Werbetagen Montag/Donnerstag für Nonfood ist morgens kurz nach Öffnung gegenüber dem Folgetag keine Veränderung sichtbar, Nonfood hat offenbar nicht mehr den Frequenzeffekt wie früher
  • Die Aussage von Herrn Böttcher „Dienstag um 11 mit dem geringsten Besucherandrang“ lässt sich nicht bestätigen, Mittwoch und Donnerstag sind die beiden Tage mit den wenigsten Besuchern, Samstag ist der stärkste Tag

Zusammenfassend ergeben sich nur geringe Unterschiede im zeitlichen Aufwand für den Konsumenten zwischen den Betriebstypen. Mögliche Erklärungen könnten sein, das Streben nach Effizienz beim Einkauf von FMCGs durch die Kunden und ein habitualisiertes Einkaufsverhalten. Die Kunden haben meist ihre festen Einkaufswege und Einkaufskörbe, auch um Zeit zu sparen.

Die Limitierungen der Ergebnisse ergeben sich natürlich aus dem nur sehr kleinen Ausschnitt in deutschen Handelslandschaft.

 

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