Handels

Dynamic Pricing par excellence – die FIFA als gewinnmaximierender Monopolist

von Prof. Dr. Oliver Letzgus
07.07.2026

Die Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft ist abgeschlossen. Für richtige Fußballfans beginnt das Turnier ohnehin erst jetzt mit der K.-o.-Runde. Wer den Pokal am Schluss in den Händen halten wird, ist noch völlig offen. Der sportliche Wettstreit geht jedenfalls jetzt in die entscheidende Phase.

Wer aber der wirtschaftliche Sieger sein wird, steht bereits fest: die FIFA. Dazu trägt nicht zuletzt ein ausgeklügeltes Preissystem für die Eintrittskarten in die Stadien bei, das unter dem Begriff Dynamic Pricing bekannt ist. Darunter versteht man quasi in Echtzeit ablaufende Preisanpassungen als Reaktion auf Marktentwicklungen, insbesondere auf Veränderungen bei Angebot und Nachfrage. Vorreiter beim Dynamic Pricing waren Fluggesellschaften, Hotels und Tankstellen. Auch im Online-Handel kommt es inzwischen vielfach zum Einsatz.

Im ökonomischen Sinne handelt es sich bei der Fußball-WM um ein knappes Gut, das von der FIFA exklusiv angeboten wird. Wer ein WM-Spiel besuchen möchte, hat keinen alternativen Anbieter. Die FIFA verfügt somit über ein Monopol hinsichtlich der Ausrichtung und Vermarktung von Weltmeisterschaften. Monopolisten neigen gewöhnlich dazu, ihren Gewinn zu maximieren. Dynamic Pricing ist hierfür ein geeignetes Instrument.

Anders als Unternehmen im Wettbewerb muss die FIFA keine Konkurrenz durch andere Weltmeisterschaften fürchten. Für viele Fans existiert kein gleichwertiges Substitut. Diese Marktmacht erlaubt es der FIFA, Preise durchzusetzen, die deutlich über den Kosten liegen, die durch die Bereitstellung eines zusätzlichen Stadionplatzes entstehen.

Bevor wir uns mit dem heute praktizierten Verfahren befassen, zunächst ein Blick in die Vergangenheit. Bei früheren Weltmeisterschaften wurden die Tickets zu festen Preisen verkauft. Da die Nachfrage das Angebot regelmäßig überstieg, wurden die Tickets entweder nach dem Windhundprinzip oder durch Verlosung zugewiesen. Für viele Fans war dies ein Glücksfall. Wer beispielsweise bereit gewesen wäre, 1.000 USD für ein begehrtes Viertelfinalticket zu bezahlen, dieses aber für lediglich 200 USD erwerben konnte, erzielte einen erheblichen wirtschaftlichen Vorteil. Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von Konsumentenrente. Sie beschreibt die Differenz zwischen der individuellen Zahlungsbereitschaft eines Käufers und dem tatsächlich gezahlten Preis.

Hatte ein Käufer jedoch beispielsweise ein Viertelfinalticket erworben, an dem er später kein Interesse mehr hatte, weil die eigene Mannschaft überraschend ausgeschieden war, blieb ihm häufig nur der Gang auf den Schwarzmarkt. Dort konnte er sein Ticket oftmals zu einem Vielfachen des ursprünglichen Preises verkaufen, gewissermaßen als Schmerzengeld für den sportlichen Misserfolg. Die dadurch entstandenen Preissteigerungen kamen allerdings nicht der FIFA zugute. Zwar versuchte diese immer wieder, den Schwarzmarkt einzudämmen, an den dort erzielten Preisaufschlägen partizipierte sie jedoch nicht unmittelbar.

Stattdessen betreibt die FIFA diesen Wiederverkaufsmarkt inzwischen selbst. Über die offizielle Wiederverkaufsplattform können Käufer und Verkäufer Tickets handeln, während die FIFA an jeder Transaktion mitverdient. Je nach Nachfrage – abhängig von beteiligten Mannschaften, Spielzeit, Austragungsort oder Turnierphase – verändern sich die Ticketpreise teilweise innerhalb kürzester Zeit erheblich. Bei besonders begehrten Spielen wurden Preisänderungen von mehreren hundert bis über tausend US-Dollar innerhalb kurzer Zeiträume beobachtet. Ziel der FIFA ist es, für jede einzelne Eintrittskarte einen möglichst hohen Marktpreis zu realisieren.

Das hat damit zu tun, dass Käufer und Verkäufer auf der offiziellen Wiederverkaufsplattform jeweils 15 Prozent des Marktpreises an die FIFA entrichten müssen. Bei einem Ticketpreis von 1.000 USD erzielt die FIFA somit einen Erlös von insgesamt 300 USD. Der Käufer bezahlt insgesamt 1.150 USD, während dem Verkäufer lediglich 850 USD verbleiben. Die FIFA verdient damit nicht nur am Erstverkauf einer Eintrittskarte, sondern zusätzlich an jedem späteren Weiterverkauf.

Für Ticketkäufer stellt sich daher die Frage, ob man den offiziellen Wiederverkaufsmarkt der FIFA mit seinen hohen Gebühren umgehen und stattdessen auf Drittplattformen wie StubHub oder SeatGeek ausweichen sollte.

Grundsätzlich gilt: Auch dort werden die Ticketpreise entsprechend der Knappheit steigen. Würden identische Tickets auf einer Plattform dauerhaft günstiger angeboten als auf einer anderen, würden Käufer verstärkt auf die günstigere Plattform ausweichen. Die steigende Nachfrage würde dort die Preise erhöhen, während sie auf der teureren Plattform sinken würden. Ökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von Arbitrageprozessen, die tendenziell zu einer Angleichung der Preise führen.

Als Käufer geht man auf Drittplattformen allerdings das Risiko gefälschter Tickets oder problematischer Tickettransfers ein, während man beim offiziellen FIFA-Marktplatz auf der sicheren Seite ist.

Vielen Fans, insbesondere in Europa, ist das Vorgehen der FIFA dennoch ein Dorn im Auge. Während Dynamic Pricing in amerikanischen Profiligen wie NBA und NFL bereits seit Jahren zum Alltag gehört, ist es im europäischen Sport bislang vergleichsweise wenig verbreitet.

Der Ruf nach einer wettbewerbsrechtlichen Regulierung erscheint naheliegend. Die internationale Struktur der FIFA erschwert eine wirksame Kontrolle jedoch erheblich. Nationale Wettbewerbsbehörden stoßen bei global agierenden Organisationen schnell an ihre Zuständigkeitsgrenzen.

Aus Sicht der Ökonomen ist die Entwicklung dennoch hochinteressant. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 liefert ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie ein Monopolist moderne Preissetzungsinstrumente nutzt, um Knappheiten zu bewirtschaften und einen Teil der Konsumentenrente in eigene Erlöse umzuwandeln.

Oder etwas weniger wissenschaftlich formuliert: Die FIFA hat einen Weg gefunden, selbst am Schwarzmarkt zu verdienen.

Aber genießen Sie die Spiele trotzdem.

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