Handels

Kaffeepreise beschäftigen uns alle, dabei gibt es mehrere Preise!

von Prof. Dr. Carsten Kortum
26.02.2026

Uns interessieren natürlich die Regalpreise, vorgelagert sind die Röstpreise und die Rohkaffeepreise je nach Sorte. Da lohnt sich ein Blick.

Die heute kommunizierte Preisanpassung bei Tchibo lässt sich vor dem Hintergrund der aktuellen Preis- und Korrelationsanalysen klar ökonomisch einordnen, wenn man sich die Preisentwicklung der letzten Jahre anschaut:

Die Zeitreihenanalyse der internationalen Kaffeepreise (Jan ’24 – Jan ’26, Daten vom Statistisches Bundesamt (Destatis)) zeigt eine nahezu perfekte Gleichläufigkeit der drei betrachteten Arabica-Kategorien (r ≈ 0,997–0,999). Dieses Muster spricht für stark synchronisierende marktweite Einflussfaktoren wie Ernteerwartungen, klimatische Risiken, Lagerbestände, Wechselkursentwicklungen sowie finanzmarktgetriebene Preisbewegungen. Robusta weist demgegenüber lediglich moderate Korrelationen zu Arabica (r ≈ 0,60–0,64) auf – ein empirischer Hinweis auf teilweise differenzierte Angebots- und Nachfragedynamiken, bei gleichzeitiger klarer Trendverbundenheit.

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Die Korrelationsmatrix entlang der Wertschöpfungskette verdeutlicht zudem eine ausgeprägte Preistransmission (vgl. Abb.): Verbraucherpreise für Bohnenkaffee korrelieren stark mit den Erzeugerpreisen gerösteten Kaffees (r=0,85–0,90), während der Zusammenhang zu Rohkaffee-Einfuhrpreisen moderater ausfällt (r=0,44). Dies bestätigt die typische Dämpfung volatiler Rohwarenimpulse durch Verarbeitungsstufen, Hedging-Strategien/ Terminmärkte, Lagerhaltung, Kaffeebesteuerung und Handelsspannen.

Besonders aufschlussreich ist die Lag-Analyse: Rohkaffeepreise wirken mit einer Verzögerung von rund fünf bis sechs Monaten auf die Röst- und Endverbraucherstufe (r bis 0,93), während die Weitergabe von Röstpreisen an Verbraucherpreise nahezu unmittelbar erfolgt (Lag ≈ −1 Monat; r bis 0,95). Diese Befunde belegen eine klassische kaskadenartige Preisweitergabe mit zeitlichem Puffer zwischen Rohwaren- und Verarbeitungsstufe, jedoch hoher kurzfristiger Transmission zum Endkunden.

➡️ Höchste Korrelation bei Lag −6 Monate


Ökonomisch plausibel:
➡️ Rohware → Röststufe → Handel → Endverbraucher

👉 Die Analyse zeigt eine klassische Kaskade der Preisweitergabe bei Kaffee:
Einfuhrpreise → (≈5 Monate) → Erzeugerpreise → (≈1 Monat) → Verbraucherpreise

Mein Fazit:
Die Preisanpassungen am Markt sind im betrachteten Zeitraum konsistent mit den beobachteten Marktmechanismen, der Verzögerungsstruktur der Preisweitergabe sowie der anhaltenden Rohwarenpreisdynamik.
Da die Terminmarktpreise schon wieder fallen (Ernte in Brasilien scheint gut auszufallen), gehe ich davon aus, dass wir in 5-6 Monate eine Preissenkungswelle sehen werden. Also ganz normales und plausibles Business.

Interview dazu:
https://lnkd.in/dQTJU89z

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