In Lauffen am Neckar ist es erstmals live zu sehen: Lidl hat sein neues Filialkonzept FK2025 gestartet. Und auch wenn von außen vieles gleich wirkt, steckt im Inneren eine ganze Reihe spannender Neuerungen. Die Lebensmittelzeitung hat zuerst berichtet und auch schon eine Bilderstrecke veröffentlicht.[1]
🔍 Besonders auffällig: der Drogeriebereich als Reaktion auf den zunehmenden Wettbewerb mit den Drogerien in vielen Warengruppen.
Hier setzt Lidl auf eine digitale Aufwertung: Screens sorgen für eine hellere, modernere Anmutung und eröffnen neue Möglichkeiten. Bisher werden dort nur dezente Hinweise auf die Eigenmarke Cien gezeigt – aber das Potenzial liegt auf der Hand:
– Retail Media direkt im Regal: Digitale Werbeflächen, datenbasiert steuerbar.
– Schnelle Anpassung an Aktionen, Saisons oder Kooperationen.
– Image-Aufwertung einer Kategorie in Richtung Lifestyle und Beauty.
Damit betritt Lidl ein Feld, das weit über den klassischen Discount hinausgeht – und wo zusätzliche Erträge aus Werbung und Industriekooperationen denkbar sind.
Doch das Drogerieregal ist nur ein Teil eines ganzen Maßnahmenpakets:
🛒 Höhere Regale schaffen mehr Verkaufsfläche – und damit Platz für Sortiment (das Sortiment gewinnt beständig an Breite und Tiefe). Hier gibt es Chancen, aber auch Risiken: Übersichtlichkeit und Ergonomie für Kund:innen sind nicht überall ideal (alles über 1,80m wird laut vieler Studien nur bedingt wahrgenommen).
❄️ Neue Tiefkühl-Struktur: Lidl verabschiedet sich von klassischen Truhen. Stattdessen werden TK-Produkte in Schränken präsentiert – das wirkt aufgeräumter, erleichtert Orientierung und macht Platz für eine deutlich aufgewertete Weinpräsentation. Gerade Wein ist ein Imageprodukt, das Lidl stärker in Richtung „Supermarkt-Experience“ positionieren könnte.
🏋️♂️ Sportlernahrung erhält einen eigenen Gondelkopf – ein klares Signal, dass Lidl neue Konsumbedürfnisse aktiv bespielt und damit jüngere Zielgruppen anspricht.
🎨 Neues Farb- und Designkonzept: Dominant sind Anthrazit und Blau, Aktionsflächen setzen mit Rot und Gelb aufmerksamkeitsstarke Akzente. Aktionsflächen im Regal und an den Gondelköpfen sind klar gekennzeichnet. Weniger Holzoptik, dafür mehr Klarheit – das geht schon Richtung Supermarkt.
👉 Mein Fazit: Lidl in Deutschland schafft mit FK2025 den Spagat, zwischen der DNA des Discounters und einer Experience-orientierten Einkaufsumgebung, sehr gut. Kunden haben künftig mehr Übersicht (die Planogramme sind wunderbar gelungen), mehr Sortimentsvielfalt und mehr Storytelling im Regal. Hersteller können auf neue digitale Flächen für Markenkommunikation hoffen. Für Mitarbeitende bleibt offen, wie gut die neuen Abläufe im Alltag funktionieren. Der Gang mit Getränken setzt zumindest auf Produktivität mit Kunststoff DD-Paletten.
Die entscheidende Frage: Wird Lidl in Deutschland mit FK2025 zur Blaupause für den Discount der Zukunft – oder ist es ein Zwischenschritt Richtung Supermarkt?
[1] Vgl. https://www.lebensmittelzeitung.net/handel/nachrichten/filialkonzept-lidl-gibt-sich-neuen-anstrich-186016