Handels

REWE knackt die 100 Mrd. Euro beim Umsatz

von Prof. Dr. Carsten Kortum
29.04.2026

Der REWE-Group-Abschluss 2025 (vergangene Woche veröffentlich) zeigt Wachstum, aber kein unproblematisches Wachstum: Die Gruppe überschreitet erstmals die Marke von 100 Mrd. Euro Gesamtaußenumsatz, verdient daran aber relativ weniger.

Umsatzstärke trifft hier klar auf Margendruck: Der Gesamtaußenumsatz steigt um 4,0 % auf 100,4 Mrd. Euro, der Konzernumsatz um 3,7 % auf 91,1 Mrd. Euro. Das Wachstum im Ausland liegt mit 4,85 klar über den Umsatzwachstum in Deutschland mit 2,2%. Gleichzeitig sinkt das EBITA von knapp 2,0 Mrd. Euro auf über 1,5 Mrd. Euro. Die EBITA-Umsatzrendite fällt von 2,3 % auf 1,7 %. Der Jahresüberschuss nach Steuern liegt nur noch bei 0,6% und hat sich glatt halbiert. Das ist für einen Handelskonzern zwar nicht ungewöhnlich niedrig, signalisiert aber einen negativen Trend: das Wachstum wird derzeit teuer erkauft durch Preisinvestitionen, App-Programme (eine teure Tasse Tee!), steigende Personal- und Sachkosten sowie intensiven Wettbewerb gerade im Heimatmarkt.

Besonders auffällig: REWE investiert massiv in Kundenbindung und Datenzugang. REWE Bonus und PENNY App mit zusammen 18 Mio. Nutzer:innen (davon 11 Mio. REWE Bonus) sind aus Handelssicht ein wichtiger Erfolg. Kritisch bleibt aber, ob diese Programme kurzfristig Ergebnis belasten und langfristig tatsächlich ausreichend Zusatzumsatz, höhere Frequenz, bessere Warenkorbausschöpfung und Retail-Media-Potenziale erzeugen. Noch ist offen, ob hier ein echter Profitabilitätshebel entsteht oder zunächst vor allem ein teures Rabatt- und Loyalitätsinstrument.

Im deutschen Lebensmittelhandel ist die Entwicklung gemischt. REWE wächst mit +3,0 % solide und leicht über der Infaltionsrate, PENNY Deutschland dagegen nur mit +0,7 %. Das deutet darauf hin, dass PENNY im harten Discount-Wettbewerb mit Lidl und Aldi weniger Dynamik entfalten konnte als internationale PENNY-Märkte mit +6,3 %. Gleichzeitig wachsen die selbstständigen 1620 REWE-Kaufleute mit +7,2 % deutlich stärker als die Regiebetriebe. Das spricht für die Stärke lokaler Unternehmerschaft, Kundennähe und Sortimentsindividualisierung hin zu Regionalität, zeigt aber auch, dass das Kaufleute-Modell innerhalb der Gruppe ein überdurchschnittlicher Wachstumstreiber ist. Toom bleibt das Sorgenkind mit einem Umsatzrückgang von 2,0 % in einem sehr schwierigen Branchenumfeld.

Hohe Investitionen bei stabiler Verschuldung: Die Investitionen von 2,5 Mrd. Euro in 2025 und geplante 3 Mrd. Euro für 2026 zeigen langfristige Ambitionen. Positiv ist, dass die REWE-Gruppe trotz Ergebnisrückgangs weiter in Zukunftsfelder investiert: in Digitalisierung, KI, Logistik, Immobilien und Modernisierung. Kritisch sind jedoch die Kapitalbindung und zunehmende Verschuldung. 4,3 Mrd. Euro an Finanzverbindlichkeiten sind bei einem Eigenkapital von 11,6 Mrd. Euro aber überschaubar. Das langfristige Rating liegt seit 2022 bei BBB und hat Investment Grade. Bei sinkender Rendite muss der Konzern beweisen, dass diese Investitionen produktivitätssteigernd wirken und nicht nur notwendig sind, um im Wettbewerb mitzuhalten.

Mein Fazit: Insgesamt ist der Abschluss 2025 strategisch robust, aber ertragsseitig angespannt. Die REWE-Gruppe wächst breit, international und kanalübergreifend. Die Gruppe wirkt resilient, aber die Zahlen zeigen klar: Das Geschäftsmodell steht unter erheblichem Margen- und Kostendruck. Die zentrale Managementfrage lautet daher nicht mehr nur, ob REWE-Gruppe wachsen kann, sondern ob das Unternehmen Wachstum, Preisattraktivität, Kundenbindungsprogramme und Investitionsoffensive wieder in eine höhere operative Profitabilität übersetzen kann.

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